Malte Wienebüttel

zeigt

"ein Frosch aus Volgershall"

oder

Bernhard Nürnbergers Wunderkammer_Kinderstube

Ausstellung in der Galerie des Kulturforums Lüneburg - Gut Wienebüttel

2016

 
 
 

 

Nach fast sechzig Jahren kehrt der Maler und Bildhauer ........Bernhard Nürnberger, Jahrgang 1943, mit einer Ausstellung seiner Kunst an einen Ort seiner Kindheit zurück, der für ihn voller Bedeutungen ist. Die Familie lebte von 1946 bis 1958 in „Wienebüttel“, synonym für das Niedersächsische Landeskrankenhaus Lüneburg, in dem der Vater als Psychiater tätig war. Das Gelände des Gutes Wienebüttel, damals landwirtschaftlicher Betrieb der Anstalt, und das umgebende Land waren sein Stromergebiet, seiner Geschwister und Spielgefährten.

Die Ausstellung ist für ihn Anlass seine Kunst nach einem Echo zu fragen aus dieser Zeit, aus dem "Anstaltsmilieu" und der Stadt Lüneburg, Anlass Geschichten zu erzählen vom Erleben und der (Kinder-)Wahrnehmung, von den Tatsächlichkeiten und Dinge, die damals waren und für ihn von Interesse.

Tatsächlichkeiten aus der Kindheit findet er nicht notwendig in seiner Kunst, noch ist es nicht unmöglich sie darin aufzuspüren. Wie etwa den titelgebenden Frosch. Er gehört zu seinen sieben Sachen, dem mitgeschleppten Kram seit der Kinderzeit, gefunden bei der Suche nach Donnerkeilen an den verbotenen Abbruchhängen der "Kalkkuhle" Volgershall, damals noch Betriebsgelände einer Dünge- und Baukalkfirma untmittelbar neben dem inneren eingehegten Anstaltsgelände auf der dem Gut entgegengesetzten Seite.

Dieser Frosch springt, häufiger als er es bisher wahrgenommen hatte, in seinen Bildern, in einigen seiner Assemblagen herum. Seine Anwesenheit mag notwendig oder folgerichtig aus kompositorischen Gründen sein und der Form und Farbe wegen. Mal springt er zu kurz, mal in die Irre und mit ihm der Betrachter. Ins Ungewisse springt er am Besten. Kennt er den roten Faden zurück in die Kindertage oder vollführt er ein Täuschungsmanöver? Sicher ist nur die Unberechenbarkeit seines Körperrudiments, bei dessen Betrachtung die Herrschaft der Vernunft ebenso versagt, wie sie schon versagte, als er noch quicklebendig in dem ihm eigenen Milieu umhersprang.

In der Ausstellung werden neben Dingen, die noch da sind aus der Kindheit, Malereien, Skulpturen und Collagen zu sehen sein. Meine Auswahl der Ausstellungsstücke ist im Moment (Juli 2016) ebenso gewiss, wie das Echo aus der Kindheit in ihnen als Erfahrenes oder Phantasiertes ungewiss ist. Sie fügt den Schichtungen des Erinnerns oder ihren Erzählungen in Bildern, Skulpturen und Texten weitere hinzu.

Malte Wienebüttel